Presserückschau zum letzten Entrepreneurs Talk in unserer Ideenküche – Guter Artikel zu einer richtig guten Veranstaltung! Ich denke, es hat allen Beiteiligten richtig viel Spass gemacht – und was gebracht.
Von Kai-Uwe Ruf
WOLFENBÜTTEL. Titus Dittmann sieht überhaupt nicht aus wie ein Unternehmer, als er den proppenvollen Raum in der Ostfalia-Hochschule betritt. Der 62-Jährige trägt ein graues Kopftuch, ein rotes T-Shirt und ausgewaschene Jeans. Er lacht, fährt sich mit den Hand über die Nase, lacht wieder, trinkt einen Schluck Wasser und lacht erneut.
Professor Reza Asghari hat den Münsteraner eingeladen, damit er erzählt, wie er den Weg vom Skateboarder zum erfolgreichen Unternehmer und Eigentümer einer Skateboard-Modemarke geschafft hat.
Dittmann versucht es chronologisch. Er erzählt von den frühen achtziger Jahren, als er seinen Job als Lehrer aufgab und begann, Skateboard-Artikel aus Amerika nach Deutschland zu bringen und vor Universitäten zu verkaufen. Ärger habe er damals in der Schule gehabt, ein Disziplinarverfahren sei anhängig gewesen. Und die Zukunftsaussichten in der Skateboard-Branche waren schlecht.
Trotzdem machte Titus Dittmann offenbar einige Dinge richtig. Er hatte eine Marktlücke gefunden, und er folgte seiner Leidenschaft. “Ich kann das nur empfehlen. Sonst wirst du ein unzufriedener Mensch”, sagt er an die vielen Studenten im Raum gewandt. Außerdem sei er glaubwürdig gewesen: Ein Skater aus der Szene, der etwas für die Szene tut. “Deshalb haben die Leute bei mir gekauft.”
Dann beginnt er wieder zu lachen. Er berichtet davon, wie seine Firma rasend schnell wuchs, weil außer ihm niemand die Nachfrage nach Skater-Utensilien befriedigte. Aktiengesellschaft, Holding und GmbH sei sein Unternehmen gewesen. Bis zu 100 Millionen Euro Umsatz habe es erzielt. In Krisen habe die Pleite gedroht. Dittmann erzählt vom Druck der Banken. Und davon, wie er sich davon befreit habe, indem er sich und den Bankern, mit denen er verhandelte, sagte, dass das alles nicht wichtig sei. “Man muss an sich glauben”, sagt er, und “die Motivation kommt aus dem Ziel heraus.”
Dittmanns Motivation gehört zurzeit offenbar seinen Afganistan-Projekten. Dort will er die Jugendlichen vom Skaten begeistern. “Skate or die”, steht auf einem Faltblatt, das er verteilt: “Skate oder sterbe”. Zu sehen sind darauf fröhliche afganische Kinder, die Skateboard fahren und grimmig schauende Kinder, die Krieg spielen. “Kinder, die skaten, schießen nicht”, steht noch auf dem Faltblatt.
Darüber, wie groß die Chancen für sein Projekt sind, verliert er kein Wort. Statt dessen sagt er: “Man kann auch mit Skateboarden ne coole, harte Sau werden, ohne Kalaschnikow.”
Quelle: Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 11. Maerz 2011, Wolfenbüttel Lokales, Seite 35