Entrepreneurship ist mehr als Freiberuflichkeit,
es ist Passion, Selbstfindung, Berufung.

Professor Günter Faltin (Gründer der Teekampagne)

Der österreichische Ökonom Joseph Alois Schumpeter prägte bereits im 20. Jahrhundert den Begriff der »schöpferischen Zerstörung«. Auslöser für Innovationen sind danach Bestrebungen von Unternehmen, sich mit neuen Produkten auf dem Markt durchsetzen zu können. Hierbei wird die bestehende Ordnung zur Fortentwicklung der Ökonomie zerstört. Es ist demnach also der Unternehmergeist, der für die ökonomische Weiterentwicklung eines Standorts maßgeblich ist.

Der Begriff »Entrepreneurship« ist für viele Menschen, die damit zum ersten Mal in Berührung kommen, zunächst unverständlich. Er geht auf das französische Wort »entreprendre« zurück, das im Deutschen mit »etwas unternehmen« übersetzt werden kann. Entrepreneurship ist in seiner Verwendung jedoch nicht einfach nur ein anderes Wort für Unternehmensgründung. Entrepreneurship stellt den Menschen und seine Motivation in den Mittelpunkt. Entrepreneure wollen ihre eigene Idee und dabei sich selbst verwirklichen. Sie finden kreative und marktfähige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen.

Was bewirkt Entrepreneurship?
Gründungen von innovativen, wissensintensiven Unternehmen sind die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und Prosperitätssicherung in der Wissensgesellschaft. Die Transformation wissenschaftlicher Erkenntnisse in neue hochwertige Produkte durch Gründung innovativer Spin-offs ist die Kernaufgabe von Technology Entrepreneurship. Empirische Untersuchungen belegen, dass dadurch die effektivste und nachhaltigste Form des Technologietransfers stattfindet.

Prominente Beispiele sind High-Tech-Firmen wie Apple aber auch das Mikrofinanz-Kreditinstitut »Grameen Bank« in Bangladesch, das der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus 1983 gründete, um den unter Hungersnot leidenden Menschen Kleinstgründungen und damit wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Es sind Entrepreneure wie Apple-Gründer Steve Jobs und Muhammad Yunus, der 2006 für seine Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, die mit kreativen Ideen einen tiefgreifenden Wandel auslösen, sei es in der Computerindustrie oder in der Entwicklungspolitik. In den USA ist ein Großteil des Nettozuwachses an Arbeitsplätzen auf innovative und schnell wachsende Unternehmensgründungen zurückzuführen. Dort ist »Entrepreneurship« längst eine tief in der Gesellschaft verankerte Lebenseinstellung. In Deutschland steckt Entrepreneurship noch in den Kinderschuhen.

Zur Förderung des Gründungskultur stellen Bund und Länder diverse Fördermittel bereit, insbesondere für innovative Geschäftsmodelle. Gerade in den deutschen Hochschulen schlummert ein immenses Potential für innovative Gründungen. Zwar wird nach Wilhelm von Humboldts Universitätskonzept viel geforscht und gelehrt, die Forschungsergebnisse werden aber oftmals nicht wirtschaftlich verwertet. Aus diesem Grund wurden bereits an vielen deutschen Hochschulen Gründungszentren etabliert. Sie spüren Gründungspotentiale und kreative Köpfe auf in der Hochschule auf und helfen bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit.

Entrepreneurship ist Vielfalt

Entrepreneurship so vielseitig und bunt wie die Entrepreneure selbst. Im Folgenden stellen wir euch die bekanntesten Stilrichtungen vor. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele kleinere Ableger und Mischformen und es kommt immer wieder etwas Neues hinzu. Entrepreneurship ist eben ständig in Bewegung.

High-Tech Entrepreneurship
Eine Gründung in dieser Form basiert in erster Linie auf wissensintensiver Technik mit hohem Innovationsgrad. Für eine erfolgreiche High-Tech-Gründung ist es wichtig, die in der Regel sehr lange und kapitalintensive Entwicklungszeit (auch genannt „Seedphase“) mit ausreichenden Mitteln zu überbrücken. Es gibt Förderprogramme, die gerade diese Gründungsform unterstützen. Ein überzeugendes Konzept und eine gute Planung können hier wirklich „Gold“ wert sein.

Social Entrepreneurship
Das soziale Unternehmertum orientiert sich an der Lösung sozialer Probleme in einer sich wandelnden Gesellschaft. Bei der Bewältigung von Herausforderungen aus Bereichen wie Bildung, Gesundheit oder Armutsbekämpfung steht der Profitgedanke im Hintergrund. Da tendenziell immer weniger öffentliche Fördermittel zur Verfügung stehen, wird es in Zukunft wichtiger werden, ein soziales Unternehmen aufzustellen, welches ohne Beteiligung öffentlicher Mittel auskommt. Der Bedarf an Lösungen für die sozialen Herausforderungen ist riesig. Mit kreativen Ideen kann man hier sehr große Märkte erobern.

Regional Entrepreneurship
Regionales Unternehmertum orientiert sich hauptsächlich an der Förderung und Belebung regionaler Wirtschaftszweige. Das Unternehmen ist fest mit seiner Region verwurzelt und präsentiert dies offen in Form von Unternehmensgeschichte und –kultur. Netzwerke sowie der Umgang mit Informationen und Innovationen entsprechen dieser regionalen Verbundenheit.

Ecopreneurship
Ecopreneure sind keine verträumten Weltverbesserer, sondern geschäftstüchtige Unternehmer, die in den Herausforderungen des Umweltschutzes ein großes Marktpotenzial sehen. Ihre Unternehmungen zeichnen sich durch einen hohen Innovationsgrad aus. Sie erzeugen keine künstliche Nachfrage durch aggressives Marketing, sondern decken Marktnischen auf und finden kreative Lösungen für die Folgen des Marktversagens (z.B. sinnvolle Nutzung von Abfallprodukten). Ecopreneure sind pragmatische Visionäre, die ihren Traum von einer nachhaltig lebenswerten Umwelt mit den Mitteln des Marktes aktiv umsetzen.

Serial Entrepreneurship
Serien- bzw. Mehrfachgründer zeigen eine spezielle Form von Gründungsverhalten. Ein Seriengründer ist aktuell immer nur an einem Gründungsprojekt beteiligt, nach Abschluss dieses Projektes widmet er sich einer neuen Gründung. Der Innovationsgrad kann je nach Gründungsvorhaben variieren. Die grundlegende Orientierung eines Mehrfachunternehmers ist es, an mehreren Gründungen gleichzeitig beteiligt zu sein. Der Erfolg der einzelnen Gründungsprojekte steht dabei nicht zwingend im Vordergrund, wenn der Unternehmer in der Summe genug erwirtschaftet.

Senior Entrepreneurship
Wer über das gesetzlich vorgegebene Renteneintrittsalter hinaus arbeiten und seine Tätigkeit selbstbestimmt gestalten möchte, für den ist Senior Entrepreneurship genau das richtige. Für Unternehmer gibt es keine gesetzlichen Altersgrenzen. Ältere Unternehmer sollten zwar besonders auf ihre Gesundheit achten und übermäßige Arbeitsbelastung vermeiden, doch eine erfüllende und sinnstiftende Tätigkeit kommt der Gesundheit überaus zugute. Senior Entrepreneure können außerdem von ihrer großen Erfahrung profitieren und kennen wichtige Kniffe und Abkürzungen. Eine Unternehmerkarriere im Rentenalter ist daher heutzutage keine Seltenheit mehr. Zum Glück, denn unsere Gesellschaft braucht das Engagement der Senior Entrepreneure mehr denn je.

Intrapreneurship
Intrapreneurship ist ein Gestaltungsansatz zur Förderung unternehmerischen Verhaltens auf allen Ebenen eines bestehenden Unternehmens mit dem Ziel, seine Innovationskraft und Flexibilität zu erhöhen. Die Arbeitnehmer werden dazu ermutigt, unternehmerische Prozesse aktiv mitzugestalten, eigene Ideen einzubringen und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Intrapreneurship führt im Idealfall zu einer sogenannten „Win-Win-Situation“: Die Arbeitnehmer sind durch die großen Mitgestaltungsmöglichkeiten stark motiviert und handeln im Sinne des Unternehmens, wodurch wiederum alle Beschäftigten profitieren.