28-Jähriger entwickelt neue Telefonsoftware – Wirtschaftsministerium unterstützt
Von Stephanie Peißker
WOLFENBÜTTEL. Ideen muss der Mensch haben – Michael Iedema hat welche. Der 28-Jährige hat eine neue Software für Telefonanlagen entwickelt, die sich jeder aus dem Internet kostenlos herunterladen kann.

Michael Iedema (sitzend) hat eine neue Telefon-Software entwickelt, die sich in den Kästen vor ihm befindet. Markus Becks und die beiden Professoren Reza Asghari und Diederich Wermser begleiten ihn auf seinem Weg zur Unternehmensgründung.
Professor Reza Asghari, der das Institut für Entrepreneurship unter dem Dach der Ostfalia-Hochschule und der Technischen Universität Braunschweig leitet, ist sich sicher: “Askozia wird zu einem der wichtigsten Unternehmen auf dem Markt werden.” Askozia ist der Name, den Iedema seiner Software gegeben hat. Und genau so soll auch seine Firma heißen, die derzeit auf dem Gelände am Exer in Wolfenbüttel gegründet wird.
Starke Konkurrenz
Askozia soll selbst Cisco Systems, einem US-amerikanischen Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche, das Fürchten lehren. Davon ist Professor Diederich Wermser, der das Institut für Kommunikations-Systeme und Technologien an der Ostfalia-Hochschule leitet, überzeugt.
“Heute telefoniert man immer mehr über das Internet”, erzählt Wermser. Dafür brauche man neue Telefonanlagen, die als Software, also als Programm, realisiert werden. Askozia sei eine solche Telefonanlage. Die Software habe eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche. Die Anlage verbrauche nur drei Watt und damit viel weniger als vergleichbare Produkte. “Man braucht nur noch das Kabel vom Internettelefon in die Anlage einzustöpseln, und schon kann man telefonieren”, schwärmt Wermser.
Wie aber verdient man mit einer solchen Anlage Geld, wenn doch die Software kostenlos aus dem Internet heruntergeladen wird? Michael Iedema entwickelt derzeit so genannte App-Stores. Das sind virtuelle Geschäfte, in denen man Apps, also Applikationen, kaufen kann. Applikationen sind zum Beispiel verschiedene Klingeltöne, Ansagen von Stars, die man gern auf dem Anrufbeantworter haben möchte, oder auch die Wettervorhersage, die man sich auf die Telefonanlage aufspielen kann. Die Applikationen kosten Geld.
Das Wissenschaftsministerium des Landes Niedersachsen findet diese Existenzgründungsidee so zukunftsträchtig und wirtschaftlich sinnvoll, dass es die Ausgründung der Firma für 18 Monate mit 170 000 Euro unterstützt. “Askozia wird ein Leuchtturm für die Region”, sagt Asghari.
Um aber überhaupt einer eigenständigen Erwerbstätigkeit nachgehen zu können, benötigte Iedema eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Iedema stammt aus Platte in Süd-Dakota (USA) und studierte Informatik erst in seiner Heimat, später an der Ostfalia-Hochschule. Eine solche Aufenthaltsgenehmigung sei schwer zu erhalten.
Aufenthalt genehmigt
Der Antrag sei ein Jahr geprüft worden, erzählt Asghari über die deutschen Behörden. Aber weil alle an einem Strang gezogen haben, hat es geklappt: die Industrie- und Handelskammer, das Ordnungsamt, Landrat Jörg Röhmann und Bürgermeister Thomas Pink halfen. Iedema sitzt derweil schon an seinem Arbeitsplatz und tüftelt weiter.
Foto: Stephanie Peißker
Braunschweiger Zeitung, Wolfenbuettel: 30. April 2010, Wolfenbüttel Lokales, Seite 65






















